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Prof. David Dorn, Universität Zürich
«Wirtschaftsmacht USA: Von Hyperglobalisierung zum Handelskrieg»

 

 

Prof. David Dorn, Professor für Globalisierung und Arbeitsmärkte an der Universität Zürich

6. Mai 2026

Urs Baumann, ZVG-Präsident und CEO der Zürcher Kantonalbank, begrüsste Prof. David Dorn zu seinem Referat über die Wirtschaftsmacht USA und deren Verhalten im globalen Handel. David Dorn zeigte eindrücklich auf, wie stark der rasante Anstieg chinesischer Importe seit den frühen 2000er-Jahren die Arbeitsmärkte in den USA verändert hat. Gemeinsam mit David Autor und Gordon Hanson verfasste er die renommierte Studie zum sogenannten China Schock. Besonders betroffen waren Industrieregionen, die mit hohen Importen aus China konfrontiert waren. In diesen gingen zahlreiche Arbeitsplätze verloren. Entgegen der lange vertretenen Annahme, dass Arbeitskräfte rasch in neue Branchen wechseln, verlief dieser Anpassungsprozess deutlich langsamer als angenommen und für viele Betroffene schmerzhaft. Viele fanden keine gleichwertige Beschäftigung mehr, mussten Lohneinbussen hinnehmen oder zogen sich ganz aus dem Arbeitsmarkt zurück.

Prof. Dorn betonte, dass die Folgen nicht nur wirtschaftlicher Natur waren, sondern auch zu wachsender sozialer Ungleichheit, politischer Polarisierung und regionaler Spaltung beitrugen. Diese Erkenntnisse haben unter anderem zu einem deutlichen Wandel in der wirtschaftswissenschaftlichen Einschätzung der Globalisierung geführt: von der Überzeugung, dass Freihandel nur geringe Auswirkungen auf Arbeitsmärkte habe, hin zur Erkenntnis, dass einzelne Regionen wirtschaftlich und sozial massiv belastet werden können.

Gleichzeitig machte Dorn deutlich, dass die Globalisierung gesamtwirtschaftlich auch Vorteile brachte – etwa günstigere Konsumgüter und effizientere Produktionsketten. Während diese aber gleichmässig auf viele Gruppen verteilt sind, zeigten sich die Belastungen konzentriert auf einzelne Bevölkerungsgruppen. Besonders betroffen waren Länder und Regionen mit hohen Importen aus China und vergleichsweise geringen Exporten dorthin. Die Schweiz und Deutschland hingegen profitierten bis vor einigen Jahren stärker vom Handel mit China, da sie mehr Güter exportierten als importierten.

Eindrücklich zeigte Dorn auf, wie diese Gemengelage zum politischen Aufstieg von Donald Trump beigetragen hat. Viele seiner Wähler stammen aus Regionen, die besonders stark vom industriellen Strukturwandel betroffen waren. Trump versprach, Industriearbeitsplätze zurück in die USA zu holen.

Zum Abschluss spannte Prof. Dorn den Bogen zur Gegenwart. Die USA reagieren heute zunehmend protektionistisch auf den starken Anstieg chinesischer Exporte von Elektroautos, Batterien und Solarzellen. Unter Joe Biden standen der Schutz strategischer Industrien und Industriearbeitsplätze im Vordergrund, was zu hohen Zöllen und umfangreichen Subventionen führte. Unter Donald Trump wurden Zölle zusätzlich als politisches Druckmittel eingesetzt, wodurch auch die Schweiz betroffen ist. Die wirtschaftlichen Folgen für die USA blieben insgesamt begrenzt, führten jedoch zu mehr Unsicherheit, wachsender Bürokratie und einer schwächeren Wirtschaftsdynamik.

Im Anschluss an das Referat moderierte Silke Humbert von der Zürcher Kantonalbank die Fragerunde. David Dorn beantwortete ausführlich ihre Fragen sowie diese aus dem Publikum. Danach lud Urs Baumann die Teilnehmenden im Namen der ZVG zu einem Apéro ein.